Barbara Busch und Barbara Metzger im Auftrag des Goethe-Instituts in Indien
Im Auftrag des Goethe-Instituts Max Mueller Bhavan Kolkata entwarfen die an der Hochschule für Musik Würzburg lehrende Instrumentalpädagogin Prof. Dr. Barbara Busch sowie die Leiterin des dortigen Studiengangs Elementare Musikpädagogik Prof. Barbara Metzger eine Lehrerfortbildung für indische Instrumentalpädagogen. Gemeinsam mit der Klavierpädagogin Eva Erben führten sie diese Fortbildung vom 3. bis 10. September 2011 an der Kala Academy Goa durch.
In dieser Summer School hatten 17 erfahrene Instrumentalpädagogen aus Indien die Gelegenheit, Grundlagen des instrumentalpädagogischen Denkens und Handelns, so wie es sich in der Musikschularbeit und Hochschullehre in Deutschland etabliert hat, kennen zu lernen. Die in Theorie und Praxis erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten wurden von den Fortbildungsteilnehmern im Hinblick auf die spezifischen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Musikschularbeit in Indien überprüft und übertragen. Hierzu ist Folgendes anzumerken: In der klassischen indischen Musik werden instrumentale Fertigkeiten meist innerhalb eines persönlich ebenso engen wie hierarchisch organisierten Lehrer-Schüler-Verhältnisses (guru shishya) weitergegeben. Bemerkenswert ist, dass jenseits dieser oral vermittelten Musiktradition in Indien die europäische Kunstmusik gleichfalls rezipiert wird und folglich entsprechende instrumentale Fertigkeiten auf Musikinstrumenten wie Klavier, Violine oder Gitarre etc. erworben und weitergegeben werden. Die Gründe dafür liegen sicherlich zum einen in der kolonialen Vergangenheit, die hier in einer Teilkultur der musikalischen Ausdrucksformen weiterlebt, zum anderen in der wachsenden ökonomischen Potenz Indiens und den damit gleichzeitig stattfindenden gesellschaftlichen Umwälzungen.
Eine besondere Herausforderung für Konzeption und Durchführung der Summer School war die Tatsache, dass die Hälfte der Teilnehmer bereits im vergangenen Jahr an dem mehrteiligen Fortbildungsprogramm „Sur Sangam – Sharing Western Classical Music“ in Würzburg, Kalkutta und Bangalore teilgenommen hatten. Ihr Vorwissen wurde produktiv genutzt, indem sie partiell Mentorenaufgaben übernehmen konnten und somit die neuen Teilnehmer unterstützten. Zugleich bereiteten sie sich auf diesem Weg auf ihre eigene Fortbildungstätigkeit an indischen Musikschulen vor.
Thematisch gliederte sich die Fortbildung in folgende Bereiche: In der gemeinsamen unterrichtspraktischen Arbeit erwarben bzw. vertieften die Fortbildungsteilnehmer instrumentalpädagogisches Grundlagenwissen. Aus didaktischer Perspektive ging es um die Planung, Durchführung und Reflexion von instrumentalem Anfangs- und Fortgeschrittenenunterricht. Im Rahmen eines Familienkonzertes wurden konzertpädagogische Leitgedanken in die Praxis umgesetzt. Darüber hinaus verfeinerten die Teilnehmer im Kontext des improvisatorischen Umgangs mit Musik nicht nur ihre pädagogischen Fertigkeiten, sondern auch das eigene künstlerische Ausdrucksvermögen.
Aufgrund der positiven Resonanz sowohl auf die Fortbildung im vergangenen Jahr als auch auf die diesjährige Summer School denken die Verantwortlichen der beteiligten Institutionen über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit nach.