Ein Fotoalbum aus dem Staatskonservatorium von 1948

Vor kurzem gelangte ein wertvolles Erinnerungsstück in das Hochschularchiv: Ein Album mit 37 Fotos, die Außenansichten vom Gebäude in der Mergentheimer Straße 76 (Villa Völk) sowie (gestellte?) Unterrichtssituationen dokumentieren. Spenderin ist Erika Rau, die Witwe des 1947 berufenen, 1958 verstorbenen Direktors des Staatskonservatoriums Franz Rau. Frau Rau lebt, kurz vor ihrem 91. Geburtstag am 10. Mai stehend, heute in Pullach.

Das Fotoalbum stammt aus dem Besitz von Dr. Benno Ziegler. Er erhielt es als Dankesgabe bei der offiziellen Eröffnungsfeier am 16. Dezember 1948 , da er sich als Musikreferent im Staatsministerium für Unterricht und Kultus in München für die Wiedereröffnung des Konservatoriums schon im Herbst 1947 und den Bezug der Villa Völk im zerstörten Würzburg tatkräftig eingesetzt hatte. Zu einem späteren Zeitpunkt gelangte das Album in den Besitz des Ehepaars Rau, das nach der Versetzung von Franz Rau in den Ruhestand im Herbst 1956 in München lebte. Um den Wert angemessen zu würdigen, muss man wissen, dass es aus dieser Zeit nur sehr wenige Fotos von dem Gebäude, den Lehrenden und den Studierenden gibt. Die meisten die versammelten Bilder sind bekannt; sie fanden (in grobkörnigen Reproduktionen und auf schlechtem Papier) im ersten nach dem Krieg gedruckten Jahresbericht des Bayerischen Staatskonservatoriums der Musik Würzburg (1947/48 und 1948/49) Verwendung. Außerdem lagert seit geraumer Zeit eine Fotokopie des Albums von mäßiger Qualität im Archiv. Vor diesem Hintergrund gebührt Frau Rau herzlicher Dank für die Überlassung des Originals, das eine wertvolle Quelle der Hochschulgeschichte darstellt.

Die Fotos sind Zeugnisse der Dankbarkeit für die wiederhergestellte Normalität des Ausbildungsbetriebs in einem eigenen Gebäude. Leider wurden die Namen der Studierenden nicht festgehalten. Nur am Rande schimmern die beengten räumlichen Verhältnisse hindurch; so mussten auch die Küche, der Keller und das Badezimmer der Villa als Unterrichtsräume genutzt werden. Wenn man bedenkt, dass Wände und Türen mit keinem Schallschutz versehen waren, kann man erahnen, unter welchen akustischen Bedingungen gelehrt und gelernt wurde.Zwangsläufig musste an einen Neubau für das Staatskonservatorium gedacht werden. Wichtige Schritte unternahm hier Franz Rau; vollendet wurde das Projekt unter seinem Nachfolger Hanns Reinartz.