Die klassische Musikausbildung in Indien unterscheidet sich grundlegend von der europäischen: In Indien wird musikalisches Wissen traditionell mündlich vom Lehrer an seine Schüler weitergegeben. Dennoch ist das Interesse an europäischer Musik und den Methoden der Ausbildung an Konservatorien und Hochschulen in Indien groß. Auf den Wunsch nach kreativem Austausch und der Etablierung professioneller Netzwerke reagieren das Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata und die Hochschule für Musik Würzburg jetzt mit einem Qualifizierungsprogramm für erfahrene Musikpädagogen aus Indien.
Würzburg: 12. April bis zum 7. Mai 2010
Indien: Sommer und Herbst 2010
Ausgangspunkt des Projekts war der Wunsch indischer Pädagogen nach einem größeren Repertoire methodisch-didaktischer Werkzeuge zur Vermittlung europäischer Musik. Um den konkreten Bedarf und die Voraussetzungen für ein Qualifizierungsprojekt zu ermitteln, beauftragte das Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata Prof. Dr. Bernd Clausen von der Hochschule für Musik Würzburg 2009 mit einer Studie. Ergebnis der Studie ist ein Fortbildungsprogramm in Deutschland und Indien, das sich an den besonderen Bedürfnissen indischer Musikkonservatorien ausrichtet. Ziel der Qualifizierung ist es, erfahrene Instrumentalpädagogen aus Indien mit didaktischen Theorien und Methoden der deutschen Musikschularbeit und Hochschullehre vertraut zu machen.
Die erworbenen Kenntnisse werden anschließend auf die spezifischen Bedürfnisse und Möglichkeiten in indischen Großstädten übertragen und über professionelle Netzwerke weitergegeben. Klavier, Violine und Gitarre werden nach der Vorstudie am häufigsten unterrichtet, daher wird auf die pädagogische Vermittlung dieser Instrumente ein besonderer Schwerpunkt gelegt.
Das Fortbildungsprogramm wurde inhaltich konzipiert von Prof. Dr. Barbara Busch und Prof. Barbara Metzger. Die Evaluierung der Fortbildung erfolgt durch Prof. Dr. Bernd Clausen.
Die Fortbildung gliedert sich in drei Module. Das erste Modul wird zwischen dem 12. April und 7. Mai 2010 von der Hochschule für Musik in Würzburg ausgerichtet. Um sich auf ihren Aufenthalt vorzubereiten, besuchen die indischen Musiklehrer zurzeit bereits Sprachkurse an den Goethe-Instituten in Indien. In Deutschland angekommen, nehmen sie an Seminaren der Hochschule teil und hospitieren an Musikschulen in der Umgebung von Würzburg. Dabei werden die Musiklehrer von Mentoren begleitet. Im gegenseitigen Austausch musikpädagogische Impulse aufzunehmen sowie die neu gewonnen Kenntnisse auf die eigene Unterrichtserfahrung zu übertragen, sind weitere Schwerpunkte der ersten Fortbildungsphase.
Zwei einwöchige Module in Indien schließen sich im Sommer und Herbst 2010 an. Die Vertiefung von Grundlagen der Instrumentaldidaktik steht hier im Zentrum. Ausgehend von eigenen Lehrversuchen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geht es um Planung, Durchführung und Auswertung des Instrumentalunterrichts.
Im Mittelpunkt des dritten Moduls im Herbst 2010 stehen schließlich ausgewählte instrumentaldidaktische Themen wie Gruppenunterricht, Querverbindungen zur Elementaren Musikpädagogik sowie Konzertpädagogik in Theorie und Praxis.
Nach erfolgreicher Teilnahme an allen drei Modulen wird ein Zertifikat vom Goethe-Institut und der Hochschule für Musik Würzburg verliehen.
Ein internationales Symposium markiert am Jahresende den Abschluss dieser Projektphase. Auf dem Symposium wird u.a. die Evaluierung der Ausbildung vorgestellt. Gemeinsam mit den Partnern sollen zudem weitere Perspektiven der Zusammenarbeit ausgelotet werden.
Langfristig gesehen soll das Programm, das im Rahmen der Initiative „Kultur und Entwicklung“ stattfindet, den Aufbau eines autarken Netzwerks von Musikschulen und Konservatorien in Indien fördern, die sich gegenseitig professionell unterstützen und im fachlichen Austausch mit deutschen Einrichtungen stehen.
Die Fortbildung für indische Musiklehrer ist ein Projekt des Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Indien mit Unterstützung der Hochschule für Musik Würzburg. Sie findet im Rahmen der Initiative „Kultur und Entwicklung“ des Goethe-Instituts statt.