Exkursion führte Studierende in die Emilia Romagna
Die älteste Monumentalorgel, das einzige Arcicembalo, die erste europäische Universität, die frühesten Musikdrucke - welch einzigartige Schätze bietet die Musikstadt Bologna für Studierende der Hochschule für Musik Würzburg. Bei einer Studienexkursion organisiert und geleitet von der Dozentin Lucy Hallman Russell nahmen 13 Personen an einer Reise in die Hauptstadt der Emilia-Romagna vom 15.-19. März 2012 teil.
Einer der zahlreichen Höhepunkte der Exkursion war der ganztägige Besuch des Museo Tagliavini in Begleitung des weltberühmten Maestro und Museumsstifters Luigi Ferdinando Tagliavini. Nach seinen ausführlichen Erklärungen in perfektem Deutsch durften unsere Studenten die extraordinären Cembali, Spinette, Orgeln, Hammerklaviere und Clavichorde selbst bespielen. Das moderne Museum wurde erst vor zwei Jahren in den mit kostbaren Fresken versehenen Räumlichkeiten des historischen Kirchenkomplexes San Colombano eingerichtet. Auch die Restaurierungswerkstätte und die Bibliothek trugen zu den eindrucksvollen Erlebnissen im Musikinstrumenten-Museum bei.
Gemeinsam mit Prof. Tagliavini ist der niederländische Museumskurator Liuwe Tamminga Titularorganist in San Petronio, der fünft-grössten Kirche der Welt. Dort hat Maestro Tamminga für uns und eine Leipziger Studentengruppe die älteste spielbare Orgel von Lorenzo da Prato (1475) und ihre Schwester-Orgel von Baldassarre Malamini (1596) mit allen Registern vorgestellt. Es war ein Genuss für unsere Studenten, die Orgeln allein und zusammen in frühbarocker Doppelchörigkeit auszuprobieren, auch wenn die gebrochenen Tasten und schrägen Pedale ungewohnt waren.
Nach einer weiteren besonderen Gelegenheit, die Renaissance-Orgel von Giovanni Cipri (1556) in der Kirche San Martino zu spielen, trafen wir uns mit dem Erasmus-Zuständigen G. P. Luppi und dem Klavierprofessor C. Mazzoli am Partnerinstitut Conservatorio G. B. Martini, fast gegenüber dem ruhmreichen Teatro Comunale, wo Gluck, Rossini und Wagner tätig waren. Wir sahen die Bibliothekskartei von Padre Martini, die Sala Bossi, die Kirche San Giacomo Maggiore und die Cappella S. Cecelia. Inmitten der Cappella-Fresken entstanden um 1500 haben wir Kammerkonzerte besucht, das eine mit barocken Passionsmusiken für Cembalo und Sopran.
Nach einer Mittagspause mit dem Genuss von Sonne und leckerer Bologneser Küche, trafen wir uns im Museo della Musica, um Unikat-Manuskripte, frühe Drucke von Petrucci, Miniaturstimmbücher von Madrigalen, und Gemälde von namhaften Musikern zu sehen, wie Padre Martini, dem Kastrat Farinelli (Carlo Broschi) oder J.C. Bach. Dort war auch das einzig erhaltene Arcicembalo (Transuntino, 1626) mit 31 Tasten in der Oktave zu bewundern. Noch ein Konzert in San Colombano mit der Cembaloklasse aus Pesaro rundete den Tag ab.
Selbstverständlich nahmen wir uns auch etwas Freizeit für die grossen Wochenmärkte, Arkadenwanderungen und zum Innenhofschnuppern. Am Sonntag trafen wir uns in San Petronio zur Messe, um die prächtige da Prato-Orgel zu hören. Der Kollege L. Tamminga hat Musiken von Frescobaldi und Bach zum Gehör gebracht, z.T. aus seinem Programm in memoriam des kürzlich verstorbenen niederländischen Organisten Gustav Leonhardt.
Die Hauptziele danach waren der mittelalterliche Sieben-kirchenkomplex Santo Stefano, das Archäologische Museum mit Exponaten von den Etruskern bis zu den Römern, und die fabelhafte Pinacoteca mit Gemälden von Giotto bis zu den Carracci, sowie Raphaels Porträt der Patronin der Musik S. Cecilia.
Die Stunden vor unserer Rückfahrt waren leicht ausgefüllt mit letzten Blicken auf die Universität von 1088 und die Besorgung von Tortellini, Mortadella, Parmigiano-Käse und einem trockenen Lambrusco-Wein, um Erinnerungen an Bologna auf unserer Zugfahrt mitzunehmen. Es waren unvergessliche Tage im blühenden Frühling Italiens, bevor wir die Zypressen hinter uns liessen und in den Brenner-Schnee hinauf fuhren. Mit Italien noch in den Ohren und Sehnsucht im Herzen kamen wir voller Begeisterung zurück nach Würzburg. Eine Studentin sagte, die Tage in Bologna waren kurz, aber jeden Tag wie ein Monat ausgefüllt.
Die Bologna-Studienexkursion wurde vom PROMOS-Programm des DAAD sowie aus Studiengebühren unterstützt, wofür wir uns sehr herzlich bedanken.