Savitri | Heart Sutra 03.07.2020

das aktuelle Projekt der Opernschule im Streaming bis zum 28. Juli 2020

Mit den beiden Kammeropern unserer Sommersemesterproduktion begeben wir uns thematisch in den fernöstlichen Raum: Savitri ist eine indische Legende aus dem Epos Mahabharata, sie beschreibt, wie es einer Frau durch Klugheit, Mut und Überzeugungskraft gelingt, ihren Mann aus den Fängen des Todes zu befreien. Gustav Holst (1874–1934) vertonte den Stoff 1916, wobei er Klänge der englischen Spätromantik mit seinem leidenschaftlichen Interesse für Sanskrit verband. Der Tod gewährt Savitri einen Wunsch. Sie fordert von ihm ewiges Leben – dies lässt sich nur einlösen durch die Fortdauer ihrer Existenz in folgenden Generationen, durch Mutterschaft. Und diese wiederum ist für sie nur denkbar mit ihrem Mann Satyavan.

Dem stark idealisierten Bild des Mutterseins steht im zweiten Stück Heart Sutra das krasse Gegenteil gegenüber: Die junge Xiao-han hat sich emotional zwischen ihre Eltern gedrängt, sie ist zur schärfsten Konkurrentin ihrer Mutter geworden und ist obsessiv auf ihren Vater fixiert. Dieser löst sich aus dem Dilemma, indem er ein Verhältnis mit der besten Freundin seiner Tochter beginnt und die Familie verlässt. Die beiden verlassenen Frauen müssen ihre Enttäuschung und den Verrat hinnehmen und finden so endlich zu einer offenen Aussprache.

Das Libretto basiert auf einer Kurzgeschichte von Eileen Chang (alias Zhāng Àilíng, 1920–1995), einer Vertreterin der klassischen Moderne der chinesischen Literatur. Der deutsche Komponist Christian Jost (*1963) vertonte diesen Stoff, und die Oper wurde 2013 in Taipeh uraufgeführt. Jost ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten, sein Schaffen zeichnet vor allem ein umfangreiches Œu­v­re von Vokalkompositionen aus, u.a. zehn Opern.

Opernprojekt Savitri | Heart Sutra, Hochschule für Musik Würzburg
Opernprojekt Savitri | Heart Sutra