Nur Musik!?

Einführung in die Ausstellung

Anlass

Am 20. Oktober 1947 nahm das Bayerische Staatskonservatorium der Musik in Würzburg offiziell seinen Lehrbetrieb wieder auf, nachdem über zwei Jahre zuvor beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 das Unterrichtsgebäude sowie fast sämtliche Noten, Bücher und Instrumente zerstört worden waren.

Die Hochschule nahm diese Zäsur vor 70 Jahren zum einen zum Anlass, ihre Entwicklung von der unmittelbaren Nachkriegszeit über die Erhebung zur Musikhochschule 1973 bis in die Gegenwart in einer Ausstellung Revue passieren zu lassen. Die Idee dazu stammte vom damaligen Präsidenten Prof. Dr. Bernd Clausen, das Konzept von Dr. Bettina Keß (Kulturplan, Würzburg). Das passende Archivmaterial bereitete Prof. Dr. Christoph Henzel auf. Das Design entwarf Christina Eichinger. Dass das Projekt ohne die Tetkraft von hier ungenannt bleibenden Beiträgern und Helfern (besonders aus der Haustechnik) nicht hätte realisiert werden können, sei hier ausdrücklich erwähnt.

Der Titel der Ausstellung lautete „Nur Musik!? Lehren und Studieren am Staatskonservatorium und an der HfM Würzburz 1947-2017“. Sie war in der Eingangshalle, Garderobenhalle und im Foyer des Großen Saal des Gebäudes in der Hofstallstraße aufgebaut. Die feierliche Eröffnung fand am Sonntag, den 2. April 2017 um 16:00 Uhr im Mehrzweckraum statt. Die Ausstellung war bis zum 15. Juli zu sehen. Sie sollte die Entwicklung des Staatskonservatoriums der Musik in Würzburg von der unmittelbaren Nachkriegszeit über die Erhebung zur Musikhochschule 1973 bis in die Gegenwart zeigen. Im Fokus standen dabei das Unterrichten und Lernen, also das Handeln der in ihr tätigen Menschen: Wie wurde gelehrt und gelernt? Um welche Inhalte ging es dabei? Welche Ziele verfolgten sie? Wie gingen sie miteinander um? Vergangenes sollte in Erinnerung gerufen und Entwicklungslinien nachgezeichnet werden. Vor allem aber sollten Anregungen zum Nachdenken über das Selbstverständnis, die kulturelle Bedeutung und die Zukunft der akademischen Musikausbildung an der Musikhochschule Würzburg und darüber hinaus gegeben werden.

Eine vollständige Darstellung der Hochschulgeschichte war ebenso wenig möglich wie die ausgewogene Würdigung ihrer Abteilungen und Mitglieder. Vielmehr sollten Anregungen zum Nachdenken über das Selbstverständnis und die Bedeutung der Musikhochschule für die akademische Musikausbildung gegeben werden. Aufbau und Gliederung richteten sich nicht zuletzt nach den im Besitz der Hochschule befindlichen Exponaten und Quellen.

Da eine lineare Erzählung nicht beabsichtigt war, war die Reihenfolge beim Gang durch die folgenden sechs Themen-Stationen variabel. Dabei wurden die Themen assoziativ über Gegenstände, Schrift- und Bilddokumente, erläuternde Texte und Grafiken erschlossen. Ergänzend wurden an einer Hörstation Audiodokumente angeboten. Die "Stationen" hatten folgende thematischen Schwerpunkte:

  1. Kosmos (Überblick),
  2. Vielfalt (Internationalisierung),
  3. Selbstverständnis (Wandel der Studienfächer und -inhalte),
  4. Vermitteln und Erforschen (künstlerischer Einzelunterricht und andere Lehr-/Lernformen),
  5. Herausforderung (Entwicklungsimpulse von außen),
  6. Miteinander (Regelwerke, Feiern, Wandel der Instrumenten- und Studiengangwahl)

Festwoche

Ergänzend wurde das historische Ereignis eine Woche lang mit einem vielfältigen Programm in der „Festwoche 2017“ gefeiert:

„Raus aus dem Saal – rein in die Stadt“              

Samstag, 1. April 2017, 11:00-14:00 Uhr

Studierende der Hochschule traten an verschiedenen Plätzen in der Stadt auf: Lesecafé der Stadtbücherei, Buchhandlung Hugendubel und Eichhornstraße. Die Konzerte fanden im Stundentakt statt. Beteiligt waren Ensembles in verschiedenen Besetzungen: Flöte und Harfe, Violin-Duo, Violoncello und Kontrabass, Gitarre Akkordeon und das Blechbläserensemble HfM-BRASS (Ltg. Norbert Daum). Es erklangen Werke u. a. von Claude Debussy, Wolfgang Amadeus Mozart, Sergei Prokofjew, Heitor Villa-Lobos, Astor Piazolla und Béla Bartók.

„April, April, der weiß nicht was er will“

Mehrgenerationenkonzert für Menschen mit und ohne Demenz

Samstag, 1. April 2017, 15:00 Uhr, Gebäude am Residenzplatz, Kammermusiksaal

Studierende, Dozentinnen und Dozenten der Fachrichtung Elementare Musikpädagogik veranstalteten ein Konzert, das besonders für Menschen mit Demenz konzipiert war. Das Konzert war aber auch für alle anderen Zuhörer bestens geeignet (ab 6 Jahre).

Die meisten herkömmlichen Konzerte sind so gestaltet, dass demenziell veränderte Menschen nicht daran teilnehmen können: zu lang, zu komplex, zu laut, zu viele Menschen, zu viele Reize. Im „Mehrgenerationenkonzert“ wird den speziellen Bedürfnissen Rechnung getragen: barrierefreier Zugang, zeitlich angemessene Konzeption, einfühlsame Moderation, Beteiligung am Konzertgeschehen. Das erste Konzert dieser Art fand mit großer Resonanz im Juni 2016 statt.

Konzeption, Moderation und künstlerische Gestaltung lag in den Händen des Teams Elementare Musikpädagogik (Leitung: Mag. Daniela Hasenhündl, Prof. Barbara Metzger).

Festakt

Sonntag, 2. April 2017, 18:00 Uhr, Hofstallstraße, Großer Saal

Festredner: Dr. Ludwig Spaenle, MdL, Bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
Grußwort: Oberbürgermeister Christian Schuchardt

Musikalisches Programm:

François Couperin, „Fanfare“
Giovanni Battista Grillo, „Canzona Quarta“

HfM-BRASS
Christoph Bossert, Orgel
Leitung: Norbert Daum

Carl Maria von Weber, Ouvertüre aus: "Der Freischütz“ op. 77
Giovanni Bottesini, Konzert für Orchester und Kontrabass h-Moll

Hochschulsinfonieorchester
Solist: Nabil Shehata, Kontrabass (Alumnus der Hochschule für Musik)
Leitung: Ari Rasilainen

John Lennon/Paul McCartney, „With A Little Help From My Friends“
Arrangement: Marko Lackner

Hochschulsinfonieorchester mit Teilen der Big Band der Hochschule
Solisten: Bastian Jütte, Schlagzeug und Johann Weiß, E-Gitarre
Leitung: Ari Rasilainen

Auf Anregung des Professors für populäre Musik Johann Weiß hatte Marko Lackner ein Arrangement des Beatles-Stück  "With A Little Help From My Friends“ geschrieben. Bekannt wurde dieses Stück auch durch den Rock-Sänger Joe Cocker, auf dessen Version sich das Arrangement für Orchester und Band bezieht. Das Werk trat an, um mit klassischem Instumentarium, Band und improvisatorischen Elementen eine Symbiose zwischen den an der Hochschule für Musik Würzburg gelebten Musikstilen zu schaffen.

Weiterwirken

Ein Teil der Ausstellung konnte 2018 auf der Landesgartenschau im Gebäude LAB 13 für acht Wochen gezeigt werden, um die Hochschule und ihre Geschichte noch einmal in der Öffentlichkeit vozustellen. Da weder die in den Vitrinen untergebrachteb Objekte noch die Fotoserien und Tondokumente wiederverwendet werden konnten, wurde der Titel angepasst: "Wandel des Musikstudiums in Würzburg 1947-2017". Unter tatkräftiger Mitarbeit der Haustechniker Matthias Horling und Helmut Mitnacht konnten die meisten der 2017 hergestellten Schautafeln an einer Wand im Hauptgang des LAB 13 angebracht und mit neuen Mottotafeln versehen werden. Ein Begleitheft informierte die Besucher über die Zusammenhänge und Hintergründe. Wie viele Besucher ins LAB 13 gekommen sind, ist unbekannt. Die Tatsache aber, dass die Hefte in der Box immer wieder aufgefüllt werden mussten, lässt auf eine rege Nachfrage schließen.